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Zu mir oder zu dir?

Weiterbildung ist ein großes Thema in Unternehmen. Der Klassiker sind externe Seminare. Zunehmend schulen Betriebe aber auch im eigenen Haus. Beide Varianten haben ihren Charme.

Morgens halb zehn im sauerländischen Attendorn. Benedikt Müller sitzt mit seinen Finanzkollegen in einem Konferenzraum seines Arbeitgebers Viega. Sie lauschen einem Steuerexperten, der eigens angereist ist, um sie einen Tag lang auf den neuesten Stand in Sachen Umsatzsteuer zu bringen. Im Laufe des Lehrgangs tauchen immer wieder auch Fragen auf, die sich speziell auf das Familien­unternehmen beziehen. Etwa, welche anstehenden Änderungen sind explizit für Mittelständler relevant? Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Hersteller von Sanitär- und Heizungstechnik-Produkten. Auch ein IT-Kollege beteiligt sich rege an der Diskussion. Sinnvolle Änderungen, die die IT-Prozesse betreffen, will er schnellstmöglich in die Wege leiten. 

Die Dienste des Steuerfachmanns hat Benedikt Müller als sogenanntes Inhouse-Seminar beim Heidelberger Weiterbildungsveranstalter FORUM Institut für Management gebucht. „Für uns als global agierendes Unternehmen ist es sehr wichtig, dass die Mitarbeiter ihr Wissen immer auf dem aktuellen Stand halten und ihre fachlichen wie auch ihre persönlichen Kompetenzen stärken“, erklärt der 33-Jährige, der bei Viega das Debitoren-Team leitet. „Nur so können wir den stetig steigenden Anforderungen erfolgreich begegnen.“ Mit seinem Engagement in der Weiterbildung seiner Mitarbeiter liegt das Maschinenbauunternehmen voll im Trend. „Die Halbwertzeit unseres Wissens wird immer kürzer“, stellt Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung, fest. „Die Zeiten, in denen die Kenntnisse aus Ausbildung oder Studium ausreichten, gehen über in einen kontinuierlichen Lern- und Entwicklungsprozess.“ 
Die Unternehmen gehen verschiedenste Wege, um das Wissen an ihre Mitarbeiter zu bringen (siehe Grafik unten). Nach einer Umfrage des Weiterbildungs-Branchenverbands Wuppertaler Kreis prognostizieren auch Seminaranbieter, dass der Markt für betriebliche Fortbildung weiter wachsen werde. Getragen werde das maßgeblich von einer steigenden Nachfrage nach internen Seminaren. Die Anzahl externer Angebote werde dagegen auf dem aktuellen – hohen – Niveau bleiben. „Mit Inhouse-Seminaren kann ein Unternehmen sehr individuell sowohl persönliche Entwicklungs­prozesse der Mitarbeiter als auch Veränderungsprozesse im Unternehmen begleiten. Externe ­Weiterbildungsangebote werden daneben aber nie ihre Berechtigung verlieren“, kommentiert Heuer diese Entwicklung.

Für jeden etwas dabei

Denn alle Weiterbildungsformen haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Externe – oder auch offene – Seminare sind Veranstaltungen, die ein Bildungsanbieter zu einem von ihm fest­gesetzten Thema und Datum durchführt. Der Teilnehmerkreis ist, wie der Name schon sagt, offen. Jeder kann sich anmelden. „Bei Inhouse-Seminaren geht der Weiterbildungsimpuls dagegen häufig vom Unternehmen aus“, weiß Dirk Gollnick, Leiter Inhouse-Seminare beim FORUM Institut. „Die Teilnehmergruppe ist auf Mitarbeiter aus dem eigenen Betrieb beschränkt.“ Die Schulungen finden meist in unternehmenseigenen Räumen statt. 

Große Bildungshäuser wie das FORUM Institut bieten sämtliche Themen als externe und interne Veranstaltungen an. Unternehmen und Mitarbeiter können also wählen, welche Variante ihren Bedürfnissen am nächsten kommt (mehr dazu siehe Tabelle Seite 16). „Regelmäßig fragen Unternehmen aber auch spezielle Themen an, die es als offenes Seminar gar nicht gibt“, berichtet Gollnick. Und es komme auch vor, dass die Inhalte eines offenen Angebots für den Auftraggeber abgewandelt werden – das Führungskräfteseminar erhält dann zum Beispiel noch den Baustein „Zeitmanagement“. Gemeinsam mit dem Unternehmen stellt das FORUM Institut dann das Programm individuell zusammen und sucht einen passenden Referenten aus seinem Pool von über 5.000 Spezialisten. Dieser stimmt seinerseits im Vorfeld der Schulung die Inhalte individuell mit dem Seminarbeauftragten der Firma ab.

Das Maßgeschneiderte sieht Benedikt Müller als Pluspunkt der Inhouse-Seminare: „Der Referent kennt unsere Erwartungen, und wir können gezielt über Themen sprechen, die für uns relevant sind.“ Das neue Wissen lässt sich dadurch gleich in die Praxis umsetzen. Und stets bleiben dabei alle besprochenen Sachverhalte im Unternehmen. Damit punkten Inhouse-Veranstaltungen vor allem, wenn es um sensible Inhalte geht, die nicht nach außen dringen sollen. 

Die Mischung macht’s

Während Unternehmen oft auf die interne Variante zurückgreifen, wenn ein größerer Personenkreis einheitlich geschult werden soll, spielen die offenen Seminare ihre Vorzüge vor allem aus, wenn es um Spezialwissen für Mitarbeiter geht, von denen es nur wenige oder sogar nur einen im Unternehmen gibt: den Leiter Rechnungswesen etwa oder den Leiter der Patentabteilung. Für einen alleine lohnt kein internes Seminar. Weiterer Pluspunkt der externen Veranstaltungen: Teilnehmer finden es oft sehr produktiv und anregend, einfach mal rauszukommen aus dem Firmenalltag. 
Viega-Teamleiter Müller kennt beide Formate aus eigener Erfahrung. Erst im Sommer hat er eine externe Fortbildung besucht. „In offenen Seminaren kann man sich gut mit Experten aus anderen Unternehmen austauschen und hilfreiche Netzwerke knüpfen“, sagt er rückblickend. „So ein Seminar ist zum Beispiel speziell auf die Situation eines Teamleiters zugeschnitten und fördert damit meine Kompetenzen für diese Aufgabe.“ 

Viele Unternehmen kombinieren inzwischen die Vorteile beider Formate und stellen ihren ganz eigenen Seminarmix zusammen. „Die größeren Betriebe definieren dabei zunächst ganz allgemein ihren Weiterbildungsbedarf und versuchen, ihn weitgehend intern abzudecken“, schildert Dirk Gollnick. Externe Seminarplätze kommen hinzu, wenn es um die Schulung einzelner Mitarbeiter und Spezialisten geht oder sich der Bedarf kurzfristig ergibt. Benedikt Müller hat diese Planung gerade hinter sich: Auch 2015 wird das FORUM Institut mindestens neun Inhouse-Veranstaltungen rund um Finanzen auf die Beine stellen. Der Dauerbrenner „Umsatzsteuer“ ist auch wieder dabei.

Von Melanie Rübartsch

Das spricht für …

externe Schulungen

  • Auch kleinere Mitarbeitergruppen können weitergebildet werden 
  • Mitarbeiter mit Infobedarf zu Spezialthemen treffen hier Gleichgesinnte
  • Schulung anhand einer breiten Palette von Beispielen, Transfer von Best-Practise-Lösungen in die eigene Firma
  • Über den Tellerrand schauen: Was bewegt den Rest der Branche?
  • Vernetzen mit Fach- und Führungskräften anderer Unternehmen und Branchen
  • Ungestörte Lernumgebung, bessere Konzentration auf Weiterbildung, weil fern vom Job 
  • Optimale Ausstattung mit Lehrmitteln und Seminartechnik durch den Veranstalter
  • Bezahlt wird pro Teilnehmer
  • Tapetenwechsel für Mitarbeiter
  • Weiterbildung/Reise hat Belohnungscharakter

    

interne Schulungen

  • Große Mitarbeitergruppen können zu einem Thema geschult werden
  • Individueller Zuschnitt der Themen und Inhalte möglich 
  • Schulung an internen Beispielen, direkter Transfer in die Praxis
  • Interna bleiben intern
  • Internes Netzwerken, Teambuilding 
  • Mitarbeiter bleiben grundsätzlich erreichbar
  • Individuelle Terminierung
  • Bezahlt wird pro Veranstaltung
  • Keine An-/Abreisezeiten
  • Keine Übernachtungs- und Reisekosten

 

 

FORUM Institut für Management

Das FORUM Institut für Management ge­hört zu den größten Anbietern von Weiterbildung in Europa und seit 2012 zur SRH. 1979 in Heidelberg gegründet, entwickelt und realisiert das Unternehmen Seminare, Konferenzen und Lehrgänge für Fach- und Führungskräfte in Wirtschaft, Verwaltung und anderen Organisationen. Neben branchenspezifischen Veranstaltungen­ – etwa für die Pharmaindustrie, Versicherungen, Banken und die Energiewirtschaft – vermittelt das FORUM Institut auch funktionales Wissen: vom Finanz- und Rechnungswesen über das IT-Manage­ment bis hin zu Personal, Recht, Mar­keting und Vertrieb. Jährlich bietet der Dienstleister rund 1.400 offene und Inhouse-Seminare an, die etwa 25.000 Fach- und Führungskräfte besuchen.

www.forum-institut.de 

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2013

Lernen in Kursen und Seminaren – extern wie intern – bleibt der Renner Etwa jedes zweite Unternehmen in Deutschland bildet seine Mitarbeiter weiter. Sie setzen dabei auf folgende Methoden:

Benedikt Müller, Viega

„Wir können den stetig steigenden Anforderungen nur erfolgreich begegnen, indem die Mitarbeiter ihr Wissen immer auf dem aktuellen Stand halten.“

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