Frische Ideen für Afrika

Zwei Jungunternehmer aus Nigeria und Sierra Leone haben in Berlin eine Konferenz ins Leben gerufen, damit afrikanische Start-ups Geschäftspartner in Deutschland finden.

Auf den ersten Blick könnten die beruflichen Wege von Bockarie Sama Banya und Obadamilola Owoyele kaum unterschiedlicher sein. Der 41-jährige Banya stand viele Jahre als Offizier im Dienst seines Heimatlandes Sierra Leone. Die 26-jährige Finanzbuchhalterin Owoyele kommt aus Nigeria und träumt von einer eigenen Agentur als Hochzeitsplanerin. Gekreuzt haben sich ihre Wege 2015 in Berlin.

Als Studenten des Masterstudiengangs Entrepreneurship an der SRH Hochschule Berlin haben sie gelernt, wie man erfolgreich gründet – und ihr frisch erworbenes Wissen bereits gemeinsam in die Tat umgesetzt. Mit ihrer Konferenz Afrolynk und der E-Commerce-Plattform Dukanii wollen sie das europäische Interesse auf afrikanische Start-ups sowie innovative Geschäftsideen aus und für Afrika lenken: „Wir möchten für afrikanische Gründer eine Brücke zur boomenden Berliner Gründerszene schlagen“, sagt Banya.

Zwei Biografien – ein Ziel

Erfahrungen vermitteln, damit kennt Banya sich aus. 2004 trat er als junger Mann in die nationale Armee ein, die sich gerade im Wiederaufbau befand. Dort absolvierte er ein Bachelorstudium in Computer- und Informationssicherheit und bildete anschließend Rekruten und junge Offiziere an der Militärakademie aus. 2010 ging der Westafrikaner als Verbindungsoffizier für die gemeinsame Friedensmission der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen nach Ostafrika. Als Vermittler zwischen Soldaten und zivilen Kräften war er in Uganda, Tansania und im Sudan im Einsatz. Im Frühjahr 2015 schrieb er sich für das Masterstudium in Berlin ein: „Nach so vielen Jahren im Dienst meines Landes wollte ich mir endlich ein Leben als Unternehmer aufbauen und selbstständig sein“, erklärt der dreifache Familienvater.

„Ich war neugierig und offen für alles.“

Bockarie Sama Banya,
Organisator der Afrolynk-Konferenz

Das möchte auch Obadamilola Owoyele. Die 26-jährige Nigerianerin hat in Lagos einen Bachelor in Rechnungswesen abgeschlossen und könnte jederzeit bei ihrem Vater einsteigen, der eine Kanzlei für Finanzbuchhaltung betreibt. Doch ihre wahre Leidenschaft ist es, Menschen zusammenzubringen und besondere Events zu organisieren. Im Freundes- und Familienkreis hat sie bereits einige Hochzeitsfeiern geplant: „In Nigeria ist das ein einzigartiges Ereignis“, sagt sie, „zur Hochzeit meiner Schwester kamen 800 Gäste.“ Mit jeder gelungenen Feier reifte in der jungen Frau der Wunsch, sich als Eventmanagerin selbstständig zu machen. Das englischsprachige Masterprogramm für angehende Gründer in Berlin schien ihr dafür die ideale Vorbereitung zu sein.

Das kreative Potenzial Afrikas fördern

Im Gegensatz zu seiner Kommilitonin hatte Banya bei seiner Ankunft in Berlin keine konkrete Geschäftsidee im Gepäck: „Ich war neugierig und offen für alles, wusste aber noch nicht, welche Art von Unternehmen ich gründen wollte“, erinnert sich der 41-Jährige. Doch das Programm und die Berliner Start-up-Szene zeigten Wirkung: An der Hochschule knüpfte Banya schnell Kontakte und startete eine Facebook-Gruppe für afrikanische Gründer.

Die Mitgliederzahlen stiegen rasant und Banya hatte seine Mission gefunden: ein professionelles Format, um afrikanische Gründer in die internationale Startup-Szene einzubinden und den Blick von Investoren auf das Potenzial des Kontinents zu lenken. „Es ist wichtig, nicht immer nur die Schattenseiten Afrikas mit Krisen und Konflikten zu sehen“, sagt er, „sondern auch die vielen kreativen Geschäftsideen, die auf dem afrikanischen Kontinent jeden Tag geboren werden.“

Gemeinsam mit Moses Acquah organisierten Banya und Owoyele im November 2016 die erste Afrolynk-Konferenz. Ihren Co-Gründer Acquah lernten die beiden Studenten bei einer Veranstaltung in Berlin kennen. Der IT-Spezialist aus Ghana kann bereits auf eine internationale Karriere in der Technologiebranche zurückblicken und arbeitet heute bei einem Risikokapitalgeber mit Fokus auf Afrika. In nur drei Monaten stellten die drei ein hochkarätiges Konferenzprogramm mit mehr als 100 Vorträgen und Präsentationen auf die Beine. „Ich habe ununterbrochen telefoniert, wo ich ging und stand“, sagt Cheforganisatorin Owoyele. Sie war nicht nur für die Visa für die afrikanischen Referenten, die Werbung und den Ticketvorverkauf zuständig, sondern hatte jedes Detail zum zeitlichen Ablauf am Konferenztag im Blick. „Da hat mir meine Erfahrung als Hochzeitsplanerin in meiner Heimat sehr geholfen.“

Im SRH Start-up Lab Berlin arbeiten die Gründer ständig an neuen Projekten – manchmal dabei: Banyas kleine Tochter.

Der Einsatz hat sich gelohnt: Die Konferenz ist inzwischen eine feste Größe. Nach 100 Gästen zur Premiere kamen 2017 bereits rund 300 Teilnehmer ins Berliner Microsoft Atrium, um sich auszutauschen und Geschäftspartner und Investoren für sich zu gewinnen. Nicht nur der Zugang zu Kapital stellt für afrikanische Gründer einen Engpass dar: „Auch die Energieversorgung ist oft eine große Herausforderung“, erklärt Konferenzteilnehmer Elvis Acheampong aus Ghana. 2017 hat der Geologe und Umweltschützer bei Afrolynk verschiedene Unternehmen kennengelernt, die nachhaltige Energiekonzepte für den afrikanischen Markt entwickeln. In Berlin konnte er neue Kontakte knüpfen, um die Energieprobleme seines jungen Recyclingunternehmens für Elektroschrott anzugehen.

In puncto Mentorenschaft könne Ghana genau wie andere afrikanische Länder von Deutschland lernen, so sein Fazit. Veranstaltungen wie Afrolynk könnten mehr afrikanische Absolventen zum Gründen inspirieren – und neue Jobs für andere junge Leute schaffen. Schon heute leben rund eine Milliarde Menschen auf dem Kontinent, jeder Zweite von ihnen jünger als 25. Mehr Innovationen und privates Unternehmertum seien unerlässlich, damit sie in ihrer Heimat auf Dauer eine Perspektive hätten, betonten unter anderem Vertreter des Auswärtigen Amtes auf der Konferenz.

2018 wird die Afrolynk bereits zum dritten Mal Besucher aus Europa und Afrika zusammenbringen: „Zu sehen, dass unsere Studenten so etwas auf die Beine stellen, ist sehr beeindruckend und genau das, was wir uns wünschen“, sagt Sigrid Peuker, Leiterin des SRH Start-up Labs Berlin und Dozentin im Masterstudiengang Entrepreneurship. Auch wenn Banya und Owoyele ihr Studium inzwischen erfolgreich abgeschlossen haben, trifft sie die beiden regelmäßig im Start-up Lab. Dort treiben sie ein weiteres Gründungsprojekt voran: Die E-Commerce-Plattform Dukanii (zu Deutsch: Laden) soll eine afrikanische Handelsplattform für Waren, Geschäftskontakte, Events und Dienstleistungen werden. „Quasi das afrikanische Pendant zur erfolgreichen chinesischen Online-Plattform Alibaba“, sagt Owoyele. Vielleicht wird dort bald auch eine Eventagentur in Lagos, Nigeria eingetragen. Die SRH Hochschule Berlin ist jedenfalls schon gelistet.

Text: Kirstin von Elm
Fotos: Dominik Butzmann

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