100 Jahre Bauhaus – und die Zukunft

Kann man mit Pilzen Häuser bauen? Wie wird Energie aus Moos gewonnen? Antworten auf Zukunftsfragen lieferten 20 preisgekrönte Arbeiten junger Kreativer, die anlässlich des Bauhaus-Jubiläums in der Berliner Ausstellung „beyond bauhaus – prototyping the future“ zu sehen waren.

Vor 100 Jahren wurde in Deutschland die Zukunft neu gedacht. Mit dem Bauhaus gründete der Architekt Walter Gropius 1919 in Weimar eine Ideenschule für Gestaltung, die bis heute weitreichende Impulse setzt.

Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums rief die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ dazu auf, Visionen für eine bessere Zukunft einzureichen. Gesucht waren bei dem Wettbewerb „beyond bauhaus – prototyping the future“ wegweisende Gestaltungsideen und Designkonzepte, die sich einem gesellschaftlich relevanten Thema widmen und gestalterische Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit geben. 

Über 1.500 Teilnehmer aus mehr als 50 Ländern nahmen an dem Wettbewerb teil. Diese Zahlen belegen, wie sehr Erneuerungswille und Experimentierfreude der Bauhäusler heute noch Kreative aus aller Welt inspiriert. Mitinitiator des Wettbewerbs war Ralf Kemmer, Professor für Kampagnen- und Kommunikationsplanung an der Berlin School of Design and Communication. Er war Organisator und Kurator und hatte die schwierige Aufgabe, aus der Vielzahl von Einreichungen 20 Arbeiten zu prämieren. „Das Spektrum reichte dabei vom Lebensmittelanbau auf dem Wasser über individuell dosierbare Medizin und neue Technologien für die Stadtentwicklung bis hin zu nachhaltigen Baumaterialien“, erklärt Ralf Kemmer. 

Ausgestellt waren die Zukunftsideen in der Galerie CLB Berlin im Aufbau Haus am Moritzplatz – ein Creative Hub, in dem auch die Berlin School of Design and Communication zu Hause ist. „Wir haben insgesamt 20 Arbeiten ausgezeichnet, die alle wirklich toll sind, weshalb es mir schwerfällt, einzelne hervorzuheben“, erklärt Ralf Kemmer. „Dennoch waren unter den prämierten Einreichungen einige, die die Kriterien der Jury in besonderem Maße erfüllten.“ Wir haben ihn gebeten, uns einige dieser Arbeiten exemplarisch vorzustellen. 

Ideen für die Zukunft

Wayband
USA

Ein tragbares haptisches Navigationsgerät führt Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung auf den richtigen Weg. 

„Hier zeigt sich, welch großes Potenzial aktuelle Technologien haben, wenn sie weiterentwickelt werden. So nutzt der Prototyp vorhandene Schnittstellen zum Beispiel bei Smart-phones, um für Menschen mit einer Sehbehinderung eine überzeugende Option zur Orientierungshilfe anzubieten. Das Projektteam hat sich intensiv mit der Zielgruppe beschäftigt und eine neuartige Lösung geschaffen.“

Floating Future
Niederlande

Eine Floating Food Farm schafft auf dem Wasser neuen Raum für den Lebensmittelanbau.

„Das wichtige Thema Ernährung mit den vorhandenen Flächen auf dem Wasser zu verbinden, ist ebenso sinnvoll wie effektiv. Die Weitsicht dieses Projektes wird dann auch in der Kombination der Über- und Unterwasserbepflanzung zusätzlich verdeutlicht.“

Moss Table
Großbritannien

Ein Möbelstück erzeugt erneuerbare Energie durch Biophotovoltaik.

„An einem kleinen Prototypen wird verdeutlich, wie viele weitere Möglichkeiten aus einem Trend, in diesem Fall Urban- bzw. Vertical-Gardening, resultieren können. Die Gewinnung von Elektrizität durch Pflanzen ist eine interessante und vielversprechende Alternative, die durch größere Flächen wirklich relevant werden kann.“

MycoTree
Deutschland

Eine selbsttragende Struktur aus Pilzmyzelium eröffnet nachhaltige Perspektiven für das Bauwesen.

„Auch hier kann ein Prototyp eine neue Denkrichtung anstoßen. Das Bauen mit natürlichen Materialien kennen wir, aber eine Konstruktion wachsen zu lassen, beziehungsweise zu züchten, geht darüber hinaus, regt unser Vorstellungsvermögen an und fördert völlig neue Ideen.“

Professor Ralf Kemmer fokussiert in seiner Arbeit auf Markenmanagement und das Zusammenspiel der Medien. Er berät Unternehmen bei der strategischen Markenführung, digitalen Transformation und Entwicklung medienübergreifender Kommunikation. An der Berlin School of Design and Communication ist er als Professor für Kampagnen- und Kommunikationsplanung tätig. Die Berlin School of Design and Communication (ehem. design akademie berlin, SRH Hochschule für Kommunikation und Design) ist Teil der SRH Berlin University of Applied Sciences, einer privaten Hochschule mitten in Berlin. 

design-akademie-berlin.de
land-der-ideen.de
Text: Florian Schneider / Foto: Bernd Brundert

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