Augenblick mal!

Eine Netzhautablösung ist immer ein Notfall. Wie moderne Technik und erfahrene Operateure Patienten das Augenlicht retten.

Thomas L. war gerade mit dem Auto auf dem Weg nach Dänemark, als er vor seinem rechten Auge auf einmal schwarze Dreiecke und Kreise sah. Kleine schwarze Flöckchen tanzten wie ein Regen aus Ruß von oben nach unten. „Ich habe an eine Migräne gedacht, an Kopfschmerzen, die durch die Konzentration beim Autofahren ausgelöst wurden“, erinnert sich der 50-Jährige.

Thomas L., groß, schlank und sportlich, hat selbst Medizin studiert. Er praktiziert als Hausarzt in einer Kleinstadt in Thüringen, geht regelmäßig Laufen und entspannt beim Yoga. „Ich war immer gesund.“ An ein größeres Problem dachte er nicht. Erst als er wieder zu Hause war, ging er zu einem Augenarzt. Der schickte ihn umgehend zur Operation in die Augenklinik des SRH Zentralklinikums Suhl. Eine Netzhautablösung hatte die Beschwerden verursacht. „Das ist ein augenärztlicher Notfall, der innerhalb von 24 Stunden operiert werden sollte“, erklärt Dr. Kai Wildner, der Chefarzt der Augenklinik.

Die Netzhaut liegt in der hinteren Hälfte des Auges. In ihr befinden sich Zapfen und Stäbchen – die Zellen, mit denen das Auge Licht, Farben und Bewegungen registriert. Ähnlich wie eine dünne Folie auf einem Glas, haftet die Netzhaut auf der darunterliegenden Aderhaut. Im Laufe des Lebens verändert sich der Glaskörper im Auge, er wird kleiner und das feste Gelee flüssiger. Dabei löst sich die Glaskörpergrenzmembran und kann Löcher in die Netzhaut reißen, die ihre Ablösung zur Folge haben können. Lichtblitze, Schatten und Rußregen sind die typischen Symptome. Patienten nehmen die abgelöste Netzhaut dabei meist wie einen Vorhang von oben oder wie eine Mauer von unten wahr – je nachdem wo die Netzhaut beschädigt ist.

Dr. Kai Wildner hat viel Erfahrung. Allein im letzten Jahr wurden am SRH Zentralklinikum Suhl mehr als 300 Operationen an der Netzhaut durchgeführt. „Wir sind zwei Fachärzte, die diese Art von Operationen anbieten. Deshalb können wir unsere Patienten jederzeit behandeln.“ Stolz ist der Chefarzt auf die moderne technische Ausstattung der Augenklinik. „Unsere Geräte, Lupen und die Mikroskope sind auf dem neuesten technischen Stand.“ Damit können die Ärzte die Netzhaut während der Operation scharf, detailliert und gut ausgeleuchtet beobachten. Dies sichert eine optimale Behandlung und eine hohe Ergebnisqualität. Die Operation selbst dauert zwischen 15 Minuten und einer Stunde, abhängig von der Schwere der Netzhautverletzung. 

Am Tag der Operation erhält Thomas L. zunächst eine Narkose. Während er schläft, arbeiten die Ärzte mit winzigen Instrumenten in seinem Auge. Vorsichtig wird die Flüssigkeit aus dem Glaskörper abgesaugt und das Auge mit Luft gefüllt, damit sich die Netzhaut wieder anlegt. „Anschließend werden die Löcher mit einem Laser oder mit extremer Kälte präzise behandelt“, erklärt Kai Wildner. „Auf diese Weise lösen wir eine Reaktion des Körpers an genau dieser Stelle aus. Es bildet sich eine Narbe, die das Loch verschließt“. Da dieser Heilungsprozess eine Weile dauert, füllen die Ärzte zum Abschluss der Operation ein Edelgas ins Auge.

Wenn der Glaskörper altersbedingt kleiner wird, kann er Löcher in die Netzhaut reißen, die eine Ablösung zur Folge haben. In diesem Fall hilft nur die Operation.

Eine Netzhautablösung ist ein Notfall

Als Thomas L. nach der Operation erwacht, trägt er einen Verband und eine Augenklappe. Damit das Gas im Auge die Netzhaut andrücken kann, verbringt er zunächst viel Zeit im Liegen. Rund 14 Tage dauert es, bis sich das Gas im Auge verflüchtigt und vom Körper durch Wasser ersetzt wird. Eine Phase, in der die Aktivitäten eingeschränkt sind, aber das Vertrauen einkehrt, dass das Augenlicht durch den Eingriff gerettet wird. Meist schaut Thomas L. zu dieser Zeit mit gesenktem Kopf Filme auf dem Laptop, in sein Auge tropft er Medikamente, um Entzündungen vorzubeugen.

Einige Wochen später kann Thomas L. wieder normal sehen, nur die Gläser seiner Brille, er ist seit seiner Jugend kurzsichtig, werden noch auf eine neue Sehstärke angepasst. Ansonsten ist von der Erkrankung und der Operation für ihn nichts mehr zu spüren. 

Bei ersten Anzeichen einer Netzhautverletzung ist schnelles Handeln notwendig. Thomas L. hatte großes Glück, obwohl er sich erst spät in Behandlung begab. „Wenn die Mitte, der Bereich des schärfsten Sehens, bei einer Netzhautablösung noch nicht betroffen ist, ist die Prognose gut“, sagt Kai Wildner.

Dr. med. Kai Wildner ist Chefarzt der Fachabteilung für Augenheilkunde am SRH Zentralklinikum Suhl. Sie ist die einzige ihrer Art in Südthüringen und deckt ein breites Spektrum der Behandlung von Augenerkrankungen sowie der Unfall-und Notfallversorgung ab: vom grauen Star, Glaukom und Netzhautablösungen über Makula- und Sehnerverkrankungen sowie kosmetische Lidoperationen bis hin zur Hornhauttransplantation.

zentralklinikum-suhl.de
Text: Anett Zündorf / Foto: SRH Zentralklinikum Suhl

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