Den Ernstfall im Griff

Für Ernstfälle hat das SRH Zentralklinikum Suhl einen Notfallplan entwickelt und erprobt. Im März 2019 passiert es dann wirklich. Massenunfall nach Hagelschlag auf der A71. Das Glück der 32 teils Schwerverletzten: Die Klinik ist perfekt vorbereitet. Die Chronik eines Schreckens – mit gutem Ende.

12:40  

Über der A71 zwischen Suhl und Meiningen entlädt sich kubikmeterweise Hagel. Über 50 Autos schleudern über Eis und Graupel und verkeilen sich in einem Unfallchaos.

12:48  

Im SRH Zentralklinikum Suhl empfängt Notärztin Monika Stief die Meldung der Leitstelle. Sie reagiert sofort, startet mit dem Notarzt Einsatz Fahrzeug (NEF) in Richtung A71. Von unterwegs informiert sie den diensthabenden Oberarzt Robert Schmitt.

12:53  

Robert Schmitt kann die Schadenslage noch nicht endgültig abschätzen. Vorsorglich informiert er Raimondo Laubinger, Chefarzt, OP-Manager und Koordinator für Notfallaufnahme und Rettungsdienstaufgaben.

12:53   

Raimondo Laubinger ist auf dem Weg ins Krankenhaus und fragt von unterwegs Informationen von der Leitstelle ab.

13:10   

Notärztin Monika Stief erreicht die Unfallstelle. Sie verschafft sich einen Überblick über die Zahl und den Zustand der Verletzten. Sie informiert die Leitstelle und eintreffende Kollegen.

13:20  

Robert Schmitt und Raimondo Laubinger fragen OP-Kapazitäten, Betten auf der Intensivstation und Plätze auf der Überwachungsstation an. 

13:32  

Von der Unfallstelle kommt die Meldung, dass 20 leichtverletzte, fünf schwerverletzte und zwei schwerstverletzte Patienten zu behandeln sind.

13:35  

Aufgrund der aktuellen Informationen entscheidet der Notfall-Koordinator: Auslösung des Notfallplans MANV1, dessen Abkürzung für „Massenanfall von Verletzten“ steht. 

13:36   

Über 150 ausgewählte Krankenhaus-Mitarbeiter erhalten automatisch einen Notfall-Anruf oder eine SMS: „Kommen Sie bitte ins Klinikum, Sie werden gebraucht“.

13:43  

Das Standard-OP-Programm wird nach Abschluss der letzten Operation ausgesetzt. Die OP-Kapazität wird für Notfallpatienten auf fünf erhöht. 

14:05  

Lagebesprechung der Klinikeinsatzleitung. Pflegedienstleitung, Verwaltungsleitung und Ärzte entscheiden über das weitere Vorgehen gemeinsam. Im Minutentakt treffen die Einsatz-Rückmeldungen ein.

15:10   

Die ersten Patienten treffen ein und werden von Robert Schmitt in der Notfallaufnahme in Empfang genommen, der routiniert den jeweiligen Zustand einschätzt. 

15:19  

Die Patienten mit Verletzungen wie schweren Prellungen, Gesichtsfrakturen, Schleudertraumata und Schnitten werden zur weiteren Diagnostik und Therapie an die Behandlungsteams übergeben. 

15:47  

Das Ärzte-Team hat die Situation im Griff: Alle Patienten werden routiniert diagnostiziert und behandelt. Chefarzt und Notfall-Koordinator Raimondo Laubinger entscheidet, die OP-Kapazitäten für Notfallpatienten wieder zu reduzieren.

15:58  

Angehörige melden sich an der Zentralen Information im Klinikum und werden über die Situation unterrichtet.

16:29  

Das Team um Raimondo Laubinger und Robert Schmitt zieht eine erste Bilanz: Über 100 zusätzliche Klinik-Mitarbeiter aus Medizin und Pflege, die durch den Notfallplan MANV1 kurzfristig einsatzbereit waren, haben zwei schwerstverletzte, elf schwerverletzte und sechs leichtverletze Patienten behandelt, darunter mehrere Kinder. Voraussichtlich 13 Patienten müssen zur weiteren Behandlung oder Überwachung stationär im Klinikum bleiben. 

17:00  

Der Einsatz wird durch die Klinikeinsatzleitung beendet.

17:09  

Chefarzt Raimondo Laubinger und Pflegedirektorin Susanne Vohs danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Einsatz an diesem besonderen Sonntag.

Mit 24 Fachdisziplinen und zehn spezialisierten Zentren ist das SRH Zentralklinikum Suhl das umfassendste Akutkrankenhaus Südthüringens und akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Jena.

zentralklinikum-suhl.de 
Text: Christian Jacob
Foto: Ari Fotografie

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