Der Traumläufer

Als bei Dalibor Cesak Rheuma diagnostiziert wurde, sah er zwei Möglichkeiten: angesichts der Entzündungen zu resignieren oder mit ihnen aktiv zu leben. Im Jahr 2018 hat der heutige Coach und Sporttrainer den legendären Ironman auf Hawaii absolviert.

Hallo Herr Cesak, heute schon trainiert? 

Früh am Morgen habe ich meine Töchter versorgt und in den Kindergarten gebracht. Das ist ein gutes Training in Sachen Gelassenheit, Koordination und Multitasking unter Zeitdruck. Danach bin ich wie jeden Tag acht Kilometer zur Arbeit geradelt. Wenn es nur darum ginge, das Gewicht zu halten, wäre das schon ein guter Ansatz. Setzt man aber einen Triathlon als Ziel, sollte man eine strukturierte Trainingseinheit draufsetzen. Das tue ich heute übrigens, weil ich am Abend einen Indoor-Cycling-Kurs im SRH Campus Sports e. V. leiten werde. Eine kurze Schwimmeinheit davor und die Heimfahrt mit dem Fahrrad kommen noch hinzu.

2018 haben Sie den Ironman auf Hawaii in einer Zeit von unter 10 Stunden beendet. Die Erfüllung eines Lebenstraums?

Ja, es fühlt sich an wie ein erfüllter Traum. Auf Hawaii ist unsere Sportart vor 40 Jahren entstanden und der Ironman ist ein Mythos. Um dabei sein zu können, müssen viele Faktoren passen: optimaler Gesundheitszustand, strukturiertes Training über Jahre hinweg, perfekte Abstimmung zwischen Arbeit, Familie, Sport, Logistik und Finanzierung. Mein Finish unter den harten Bedingungen macht mich dankbar und stolz. 

Sie haben ja schon mehrfach die Ironman-Distanz absolviert. Was reizt Sie immer wieder an dieser Herausforderung?

Im Leben gibt es sicher wichtigere Dinge und größere Herausforderungen. Die Triathlon-Langdistanz bietet aber die einzigartige Möglichkeit, sich selbst in einer existenziellen Grenzerfahrung zu begegnen und zu erfahren, wie Körper und Geist damit klarkommen. Ein großes Thema und eine Motivation ist die Tatsache, dass ich seit zwanzig Jahren an Morbus Bechterew leide. Körperlich aktiv zu bleiben, ist eine wichtige Maßnahme, um dieser derzeit unheilbaren Erkrankung entgegenzuwirken. Damit will ich nicht sagen, dass jeder Rheumapatient am Ironman teilnehmen sollte. Für mich gibt es aber einen logischen Zusammenhang, von dem ich körperlich und mental profitiere. 

Was hat sich dadurch in Ihrem Leben verändert?

Probleme in Herausforderungen zu verwandeln und sich diesen zu stellen, entspricht meiner Natur. Und wenn ich anderen Menschen Mut mache, wie beispielsweise Kindern und Jugendlichen mit Rheuma, für die ich mich engagiere, erfüllt es mich mit neuer Energie und Motivation.

Ihre Dissertation haben sie als eine „extreme Ausdauersportart“ bezeichnet. Warum?

Ich habe meine Promotion in der Erziehungswissenschaft vor zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen und bin durch ähnliche Höhen und Tiefen gegangen wie im Sport. Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz braucht man beim Promovieren genauso wie bei der Umsetzung eines harten Trainingsplans für die Triathlonlangdistanz. Gute Forschung richtet sich nach der Fair-Play-Regel und die Trainingslehre profitiert wiederum oft von der Psychologie und Sportwissenschaft. Ich sehe also viele Parallelen.

Wie hat sich Ihre Erkrankung durch den Sport entwickelt?

Meine Lebensweise, in der Bewegung und gesunde Ernährung eine wichtige Rolle spielen, sehe ich als eine Alternative zum Rheuma. Ich fühle mich trotz gesundheitlicher Rückschläge und Einschränkungen nicht als Opfer und habe dem Sport schöne Momente, Freunde und abhärtende Erfahrungen zu verdanken. Mit Rheuma läuft es nicht immer gut. Aber man hat Möglichkeiten, mit dieser schwierigen Situation umzugehen. Und das ist meine Lehre, die ich aus dem Sport für mein Leben und meine Tätigkeit als Coach täglich ziehe. 

Bei SRH Campus Sports leiten Sie Sportkurse. Macht Indoor Cycling mehr Spaß als draußen zu fahren?

Ich persönlich fahre lieber draußen, aber ich mag beide Sportarten. Viele schwören auf Radfahren auf stationären Bikes und haben gute Gründe dafür: die Musik, die Anleitung, der strukturierte Trainingsaufbau, die Wetterunabhängigkeit und das niedrige Verletzungsrisiko. Andere mögen den sozialen Aspekt, in der Gruppe zu fahren. 

Nächste Ziele und Zukunftspläne?

Die Top 10-Platzierung in meiner Altersklasse beim SRH Dämmer Marathon im Mai und ein zweiter Platz bei einem City-Halbmarathon in Tschechien lassen mich auf weitere gute Ergebnisse in diesem Jahr hoffen. Beim „Heidelbergman Heartbreak Triathlon“ starte ich in einer Staffel „Aktiv trotz Rheuma“ zusammen mit einer weiteren Rheumapatientin und unserem behandelnden Arzt Dr. med. Ino Gao. Und im Herbst möchte ich auf meinem Blog myrheo.com ein neues sportliches Projekt verkünden, das den Erfolg auf Hawaii noch überbieten kann.

Der Pädagoge und systemische Coach Dr. Dalibor Cesak promovierte 2017 und ist langjähriger Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule Heidelberg sowie der Heidelberg School of Education. Bei SRH Campus Sports leitet er Spinning-Kurse. SRH Campus Sports e. V. in Heidelberg bietet ein breit gefächertes Programm für Freizeit-, Hochschul- und Rehasportler sowie im Triathlon auch für Leistungssportler. Mit fast 3.000 Mitgliedern ist der 2005 gegründete Verein inzwischen einer der größten Nordbadens.

campussports.de
Interview: Michael Langner / Foto: Finisherpix

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