Der Weg ins Glück

Als Toralf Arold nach einem Unfall aus dem Koma erwacht, ist er halbseitig gelähmt. Ein Schock, doch Aufgeben ist für ihn keine Option. Begleitet vom Team des SRH Beruflichen Trainingszentrums Dresden hat er sich ein neues Leben aufgebaut.

14 Jahre ist es her. Toralf Arold schnappt sich sein Fahrrad, um in den Laden nebenan zu radeln, als ihn ein Auto anfährt, er durch die Luft geschleudert wird und mit dem Kopf auf eine Bordsteinkante prallt. „Noch vor Ort wurde ich wiederbelebt“, sagt der heute 35-Jährige. Diagnose: Offener Schädelbruch, die Überlebenschancen gering. Viele Stunden Operation am Gehirn, viele Wochen Koma. „Aufgewacht bin ich mit schrecklichen Schmerzen und halbseitig gelähmt.“ Ein Schock für ihn, der gerade seine Tischlerlehre beendet hatte und davon träumte, auf die Walz zu gehen. „Plötzlich war da nur noch Leere. Mir wurde bewusst, dass mein altes Leben vorbei war.“

Heute steuert Toralf Arold einen mächtigen Rasenmäher präzise durch die Grünanlage eines Kindergartens im sächsischen Pirna. Er kann das, weil die Ärzte, seine Mutter und Freunde ihn nie aufgegeben haben. Und weil Toralf Arold diesen unbändigen Willen hatte, zurückzukehren ins Leben. Viel früher als erwartet, beginnt er sich zu bewegen und zu trainieren. Und er will arbeiten, trotz seiner Einschränkung.

Als Hausmeister ist Toralf Arnold täglich gefordert ohne überfordert zu sein.

Als Folge der massiven Hirnschädigung entwickelte sich damals eine psychische Erkrankung, die seine Stimmung schwanken ließ zwischen euphorisch und traurig. Doch 2008 beginnt der Weg ins neue Glück. Sein Reha-Berater ermöglicht ihm eine Eignungsabklärung im SRH Beruflichen Trainingszentrum (BTZ) Dresden. Berufliche Trainer und Psychosoziale Mitarbeiter unterstützen hier Menschen nach einer psychischen Erkrankung, sich neu zu orientieren und wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Toralf Arold probiert sich im Buchbindungshandwerk aus, doch im September 2008 erleidet er einen epileptischen Anfall, verursacht durch Vernarbungen im Gehirn. Wieder ein Rückschlag, wieder Krankenhaus, wieder sein starker Wille. Er schafft die Umschulung zum Buchbinder, doch einen Job findet er nicht.

Seit dem Unfall geht Toralf Arold anders durchs Leben. Er ist achtsamer, nimmt seine Umgebung und Menschen bewusster wahr. Seine Erfahrung will er nutzen, um anderen zu helfen. „Toralf Arold wollte mit unserer Unterstützung einen Arbeitsplatz in einem Inklusionsunternehmen finden“, sagt die Berufliche Trainerin Peggy Wugk, die ihm im BTZ Dresden gemeinsam mit der Psychosozialen Mitarbeiterin Dr. Kerstin Schaaf zur Seite steht. Die Inklusionsfirma „Soziale Arbeitsprojekte Sonnenstein“ bietet ihm schließlich einen Job an: als Hausmeister in der inte-grativen Kindertageseinrichtung der Arbeiterwohlfahrt in Pirna.

„Hier bin ich angekommen. Mein Job ist ein perfekter Mix aus sozialer und handwerklicher Arbeit. Und wenn Möbel zu reparieren sind, kann ich als Tischler sogar meine Leidenschaft für Holz ausleben.“ Dr. Kerstin Schaaf hat ihm geholfen, Strategien für strukturiertes Arbeiten zu entwickeln und zu reagieren, falls Überforderung droht. Er kennt seine Grenzen, und er kann sie akzeptieren. Wenn Kita-Kinder um ihn herumwuseln oder sein fünfjähriger Sohn ihn anlächelt, fühlt sich das Leben gut an. „Ich bin glücklich“, sagt er.

Von der Berufsorientierung bis zum Wiedereinstieg in das Berufsleben: Mit gezielten Angeboten unterstützen die SRH Beruflichen Trainingszentren in Dresden, Cottbus, Leipzig und Rostock Menschen nach einer psychischen Erkrankung auf dem Weg zurück ins Arbeitsleben.

berufliche-trainingszentren.de 
Text: Carolin Menz
Fotos: Christian Rothe

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