Große Ideen, warme Herzen

Heldentage in Berlin – der Stipendienwettbewerb für eine gute Sache

Werbung kann Heldentaten vollbringen! An der design akademie berlin trifft Kreativität auf soziales Engagement. 

„We can be heroes just for one day“ sang David Bowie 1977. Bei den Heldentagen 2019 in Berlin haben zwanzig junge Kreative genau einen Tag Zeit, um ein Kommunikationskonzept für eine soziale Initiative zu entwickeln. Das Besondere: Ihre konkrete Aufgabe erfahren die Teilnehmer erst am Morgen des Wettbewerbstags. Das sind die Spielregeln der Heldentage an der design akademie berlin – am Ende gibt es glückliche Gewinner eines Stipendiums für einen Bachelorstudiengang an der design akademie berlin und eine Kampagne für eine gute Sache.

Das Thema setzt dieses Mal der Berliner Verein Unionshilfswerk, der sich unter anderem für Obdachlose engagiert. Gesucht ist ein Kommunikationskonzept, um Menschen für die ehrenamtliche Arbeit der Kältehilfe zu gewinnen. „Sich in Lebenswelten eindenken, die nah neben uns existieren, die wir aber nie richtig wahrnehmen“, so beschreibt Lukas die Herausforderung. „Es gibt so viele Probleme in der Welt, die auf uns einprasseln. Da muss man mit einer Kampagne gezielt Menschen ansprechen, die etwas Gutes tun wollen. Es gehört viel Empathie dazu, um sie geistig abzuholen und zu motivieren.“

Und so dreht sich an diesem Januartag in Berlin alles um ein Thema, das im kommerziellen Marketing selten thematisiert wird: Orte wie der U-Bahnhof am Kreuzberger Moritzplatz, an dem die design akademie berlin zu Hause ist, dienen an kalten Wintertagen als Schlafplatz für Menschen, die kein Zuhause haben. In den spontan gebildeten Teams werden mal traurige, mal inspirierende Geschichten ausgetauscht, die von Menschen berichten, die häufig übersehen werden. „Was für ein Schlag ins Gesicht es sein muss, wenn Menschen dich jeden Tag ignorieren?“, wirft Lukas in den Raum, woraufhin Aleksandra antwortet, dass sie gerade in Berlin oft damit konfrontiert wird, aber nicht weiß, wo sie ansetzen kann: „Wie spricht man Menschen in Not an und wie begegnet man ihnen mit Würde und Einfühlungsvermögen?“ 

Helden für mehr als einen Tag – bei den Heldentagen konzipieren junge Designer nachhaltiges Soziomarketing.

Innerhalb von drei Stunden werden Konzepte entworfen, die Ehrenamtlichen helfen sollen, die erste Hemmschwelle zu überwinden. „Wir wollen immer mehr sinnlosen Kram“, sagt Emil. „Das Projekt erinnert mich daran, wieder mehr an Menschlichkeit zu denken. Wir nutzen hier alles, was man aus dem klassischen Marketing kennt, für etwas Gutes mit einem tieferen Sinn.“ 

Karolina ist überzeugt, dass sie sich auch selbst hinterfragen muss: „Eigentlich sind wir die Zielgruppe, die wir ansprechen wollen. Wir brennen für soziale Themen, aber es fehlt Gemeinschaft. Diese Einblicke in Gedanken und Problemwelten hatten wir im Kopf, als wir unsere Kampagne konzipiert haben.“ 

Nach intensiver kreativer Arbeit zeigt sich bei den Präsentationen eine klare psychologische Komponente: Helfer sollen durch motivierende Kommunikation aus ihrer Komfortzone herausgelockt und als Helden dargestellt werden, um ihre Talente für gute Taten zu nutzen. „Durch Herzenswärme nicht mehr frieren“, lautet einer der Slogans. Es geht um Wärmeengel, Nächstenliebe und die große Frage, wie dieses soziale Problem grafisch und kommunikativ angegangen werden kann. 

„Es ist herzerwärmend zu sehen, wie engagiert sich die Teilnehmer mit Obdachlosigkeit auseinandersetzen“, sagt Prof. Ralf Kemmer, Professor für Kampagnen- und Kommunikationsplanung. „Es zeigt, dass Soziomarketing-Themen für die junge Generation immer wichtiger werden. Es gibt eine hohe Bereitschaft zum Engagement, weil soziales Elend sichtbarer wird.

Letztendlich freuen sich fünf glückliche Gewinner über ein Stipendium: Nikolas, Emil, Karolina, Pit und Angelika überzeugen die Jury durch ihre strategische Ausarbeitung von Design und Kommunikation. 

„Das Thema war wie ein emotionaler Angelhaken“, erklärt Karolina. „Es hat mich sehr stark angesprochen – und wenn man sich selbst zur Zielgruppe zählt, dann ist es einfacher, gute Ideen zu entwickeln.“ Ihre persönliche Vision ist es, ein Ökodorf zu gründen, weil ihr der soziale Aspekt am Herzen liegt und sie sich mehr Gemeinschaft wünscht. Zum Sommersemester möchte sie Illustration studieren, um Menschen dazu zu aktivieren, sich nicht nur mit den einfachen, oberflächlichen Dingen zu beschäftigen. Rein kommerzielles Marketing für Unternehmen ist auch für den Stipendiaten Nikolas uninteressant. „Ich finde es super, dass dem Soziomarketing hier an der design akademie berlin ein hoher Stellenwert eingeräumt wird.“ 

Die Rektorin der design akademie berlin, Prof. Dr. Dörte Schultze-Seehof, ist vom Erfolg der Heldentage überzeugt. „Wir freuen uns über die Begeisterungsfähigkeit der angehenden Bachelorstudenten, die ihre Kreativität in den Dienst einer sozialen Sache stellen.“ Für sie steht längst fest: Die nächsten Heldentage werden kommen – und auch dann wird ein gemeinnütziger sozialer Partner den Wettbewerb begleiten. 

Die design akademie berlin, SRH Hochschule für Kommunikation und Design bietet Bachelor- und Masterstudiengänge in den Fachbereichen Kommunikation, Marketing, Werbung und Design. 

Der alljährliche Stipendienwettbewerb „Heldentage“ fokussiert auf das Soziomarketing. Gesucht werden junge, kreative Studienanwärter, die ihre Fähigkeiten nutzen, um ein Kommunikationskonzept für einen gemeinnützigen Zweck zu erarbeiten. 

design-akademie-berlin.de
Text: Mary-Ann Elies 
Fotos: Design Akademie Berlin

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