„Ich will etwas bewegen“

„Vielleicht werde ich einmal Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts“, sagt Johanna Gabler mit einem Augenzwinkern. Sie ist beste Jura-Absolventin Hessens, liebt Debussy und Diskussionen über Politik. Das Porträt einer außergewöhnlichen jungen Frau.

Es gibt Dinge, die gelten als akademisches Naturgesetz. Etwa, dass Jura das schwierigste Studium sei und ein mit „sehr gut“ bewertetes Erstes Staatsexamen eine kleine Sensation. Für dieses Top-Examen mit sehr gut bei 14 bis 18 Punkten, so die Wandersage, müsse man nicht nur extrem fleißig, intelligent und ehrgeizig sein, sondern auch Opfer bringen. 

Johanna Gabler wirkt nicht, als hätte sie dafür viele Opfer bringen müssen. Sie hatte während der Prüfungsvorbereitung lediglich weniger Zeit für das Klavierspielen, das sie gerne ihrem Lieblingskomponisten Claude Debussy widmet. „Ich habe mich ganz normal in Lerngruppen vorbereitet wie alle anderen auch“, sagt die junge Juristin bescheiden. „Ein Jahr lang jeden Montag eine Klausur und an drei Tagen der Woche vormittags drei Stunden lang Fallbesprechungen mit den Professoren. Der Rest war dann Selbststudium.“

Nein, diese Frau ist nicht entspannt. Sie ist sogar extrem entspannt. Lässig und sportlich, in Jeans und Hemd, sitzt sie im lichtdurchfluteten Foyer der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden. Selbstbewusst, präzise und geduldig beantwortet sie alle Fragen nach ihrem Examen, das sie zur besten Jura-Absolventin Hessens machte.

Früher, im Gymnasium Nieder-Olm bei ihrer Heimatstadt Mainz, wollte Johanna Gabler noch etwas mit Naturwissenschaften machen, weil Mathe, Physik und Chemie ihre Lieblingsfächer waren. „Doch in der elften Klasse“, erzählt sie, „gab es einen Wettbewerb, bei dem es darum ging, ein Unternehmen zu gründen. In Teamarbeit haben wir einen Businessplan aufgestellt und ich war für den juristischen Teil zuständig. Da habe ich gemerkt – ist doch ganz nett!“

Ist doch ganz nett? Man würde sich nicht wundern, wenn Johanna Gabler so auch den langen Weg zur juristischen Prüfung beschreiben würde. „Intensiv“ sei es schon gewesen, gibt sie zu, aber kein Problem. „Vielleicht, weil ich bereit war, Themen wie Freizeit meinem Examen unterzuordnen und weil ich ziemlich belastbar bin“, überlegt sie. „Aber der Grund für das sehr gute Ergebnis war sicher meine Motivation, mit Jura etwas zu bewegen. Man kann die Rechtsordnung mitgestalten, und das gefällt mir sehr gut.“ 

Die Statistik schreckt viele von einem Jurastudium ab. Die Durchfallquoten liegen bundesweit bei 30 Prozent und nur etwas mehr als weitere 30 Prozent der Absolventen schaffen ein Prädikatsexamen, das besser als befriedigend ist. Von den 708 Kandidatinnen und Kandidaten, die 2018 zur Ersten Juristischen Prüfung angetreten sind, haben nur 37 mit „gut“ und nur zwei mit „sehr gut“ abgeschnitten. Johanna Gabler erreichte das beste Ergebnis in Hessen. Wie diese Leistung einzuordnen ist, beschreibt der Dekan der EBS Law School, Prof. Dr. iur. Emanuel V. Towfigh: „Bereits ein Abschluss mit neun Punkten ist für Jura-Absolventen eine überdurchschnittliche Leistung, mit der sie sich ihren Traumjob im Grunde aussuchen können. Frau Gabler stehen nun wirklich alle Türen offen und wir wünschen ihr viel Erfolg auf ihrem Weg.“

Wohin ihr Weg führt, hat Johanna Gabler noch nicht entschieden. „An Jura gefällt mir, dass ich so viele Möglichkeiten habe. In zehn Jahren sehe ich mich als promovierte Volljuristin, vielleicht habilitiert, vielleicht als Rechtsanwältin oder im Staatsdienst. Ich lasse jetzt einfach mal alles auf mich zukommen.“ Genauer wissen wollte es die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann bei der traditionellen Ehrung der besten Absolventen. Sie fragte nach ihren Zukunftsplänen und erhielt die Antwort: „Vielleicht werde ich einmal Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts.Auf jeden Fall will ich etwas bewegen, sei es in der Wissenschaft, Rechtspflege oder Politik. Ich weiß, dass man es als Frau dabei nicht unbedingt leichter hat. Aber an erfolgreichen Frauen im Dienst der Gerechtigkeit wie Juliane Kokott, die als Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof brilliert und gleichzeitig als sechsfache Mutter ihr Familienleben organisiert, sieht man, dass alles möglich ist.“

“Ich lasse einfach alles auf mich zukommen”

Johanna Gabler

An der EBS Law School ist Johanna Gabler am Lehrstuhl für Staatsrecht, Verwaltungsrecht, Europarecht, Recht der Neuen Technologien sowie Rechtsgeschichte Teil eines fünfköpfigen Teams wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Politik ist unser Lieblingsthema. Wir diskutieren so viel, dass die Leute um uns herum manchmal glauben, wir seien Berufspolitiker.“ Politisch ist sie aber noch nicht aktiv, im Fokus steht die Promotion. Klar, dass es um ein Thema von gesellschaftspolitischer Relevanz geht: Ein Rechtsvergleich im Verfassungsrecht, der vorläufige Titel lautet „Grundrechtsschutz und Demokratie – Lehren aus der kanadischen Notwithstanding Clause“. 

In Montreal hat Johanna Gabler ihr Auslandssemester verbracht. An der McGill University ist sie auf eine Besonderheit im kanadischen Verfassungsrecht aufmerksam geworden, die den Grundrechtsschutz betrifft. „Das Thema interessiert mich, weil es interdisziplinär ist. Ich will mir anschauen, warum das so praktiziert wird und was wir in Deutschland davon lernen können.“ 

Auch während ihrer Arbeit an der Promotion wird sich die Mainzerin, immer wieder die Zeit nehmen und Kunst-Ausstellungen besuchen wie zuletzt die Tizian-Schau im Frankfurter Städel. Und am Ende des Tages wird sie am Klavier sitzen, Debussy spielen und alles ganz langsam auf sich zukommen lassen.

Die EBS Universität für Wirtschaft und Recht ist eine der führenden privaten Wirtschaftsuniversitäten Deutschlands mit Standorten in Wiesbaden und Oestrich-Winkel. Die EBS Law School ist die jüngste juristische Fakultät in Deutschland, bietet seit 2011 ein vollwertiges, klassisches Jura-Studium mit dem Abschlussziel Staatsexamen und wirtschaftsrechtlichen Schwerpunktbereichen sowie einem integrierten Master in Business (M.A.) an. 

ebs.edu
Text: Ralf Laubscher / Foto: EBS Universität

« zur Startseite