Mehr als Waldbaden

Der Wellness-Trend „Waldbaden“ wird immer beliebter, doch Waldtherapie geht noch einen wichtigen Schritt weiter: Prof. Dr. Ahmed Karim gelang der wissenschaftliche Nachweis der gesundheitsfördernden Wirkung.

Herr Karim, wann waren Sie zuletzt im Wald? 

Ich mache regelmäßig Spaziergänge mit Achtsamkeit in der Natur. Wenn es das Wetter erlaubt, bin ich mindestens einmal im Monat für mehrere Stunden im Wald. 

Wie kann die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes gemessen werden? 

Mit unserem mobilen psychophysiologischen Forschungslabor konnten wir messen, dass bei Achtsamkeitsübungen im Wald der Sympathikus signifikant herunterfährt, also der Teil des autonomen Nervensystems, der bei Stress und Gefahr aktiviert wird. Darüber hinaus werden regenerative Prozesse im Körper angeregt und es sinkt die Konzentration des Stresshormons Cortisol, welches das Immunsystem unterdrückt. Schließlich zeigen mehrere Studien, dass die Umgebung Wald, insbesondere in Kombination mit Achtsamkeits- und Expositionsübungen, ein großes Potenzial für das psychische und körperliche Wohlbefinden bieten kann. 

Hat Waldtherapie etwas mit Waldbaden zu tun? 

Waldtherapie sollte man nicht mit Waldbaden oder Waldpädagogik gleichsetzen, zumal in der Gesundheitspsychologie zwischen Therapie und Prävention unterschieden wird. Es ist ein Unterschied, ob man Aufenthalte im Wald bei gesunden Menschen präventiv nutzt oder bei Patienten therapeutisch anwendet. Auch kann der Wald den Therapeuten nicht ersetzen. Wer das behauptet, ist sicherlich auf dem Holzweg. 

Welche Krankheitsbilder können Waldtherapeuten behandeln?

Die meisten Patienten, die an psychischen und psychosomatischen Störungen leiden, können durch Achtsamkeitsübungen im Wald profitieren. Aufenthalte im Wald können insbesondere antidepressiv und stressreduzierend wirken. Auch Patienten, die an sozialen Ängsten leiden, können durch Gruppenübungen wieder Vertrauen aufbauen und von der positiven Wirkung des Waldes profitieren.

Aus diesem Grund gibt es eine Hoch-schulausbildung zum Waldtherapeuten?

Genau. Darin lernen Therapeuten und Ärzte, wie sie den Wald in der Therapie von psychischen und psychosomatischen Störungen einsetzen können. 

Prof. Dr. Ahmed A. Karim ist approbierter Psychotherapeut, Neurowissenschaftler sowie Leiter der Hochschulzertifikate „Wald und Gesundheit“ und „Waldtherapie“ an der SRH Fernhochschule – The Mobile University.

mobile-university.de
Interview: Ralf Laubscher

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