Milch für die Kleinsten

„Die erste Milch ist fast wichtiger als Medizin“, weiß Jeannette Sorg. Sie ist die Leiterin der Milchküche im Frühchenzentrum des SRH Zentralklinikums Suhl. Dort werden zu früh geborene Kinder auf ihrem Weg ins Leben begleitet.

Die meiste Zeit des Tages verschläft Alma noch. Sie nimmt nicht wahr, dass all ihre Bewegungen, ihre Körpertemperatur, ihre Atmung, die Sauerstoffsättigung ihres Blutes und ihre Herzfrequenz überwacht werden. Sie kam zehn Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin zur Welt und wird nun auf der Frühchenstation betreut. Ein wichtiger Teil der Behandlung dort: Babynahrung aus der sogenannten Milchküche, die an die Station angeschlossen ist. 

Alma hatte Glück im Unglück. Sie kam deutlich zu früh auf die Welt, aber nicht in der maximal kritischen Phase. „Wir versorgen hier frühgeborene Kinder ab der Grenze zur Lebensfähigkeit“, erklärt der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, Wolfdietrich Gaßdorf, der mit der Frühchenstation ein „Perinatalzentrum Level 1“ leitet – eines von insgesamt nur drei Zentren dieser Art in Thüringen. „Manchmal kommen Kinder schon kurz nach der Hälfte der normalen Schwangerschaftsdauer auf die Welt. Dann behandeln und pflegen wir sie, bis sie zu Hause von den Eltern eigenständig betreut werden können.“ 

Für die Allerkleinsten ist kraftspendende Nahrung unverzichtbar. Darum kümmern sich Jeannette Sorg und ihr Team der Milchküche. „Zunächst untersuchen wir die Milch, die wir von den Muttis bekommen“, erklärt die Teamleiterin. „Um Infektionen zu verhindern, schauen wir mithilfe unseres Labors nach Keimen. Die Muttermilch wird analysiert und bei manchen Befunden pasteurisiert. Alle gesunden Nährstoffe bleiben dabei größtenteils erhalten, Viren werden deaktiviert.“ Auch Almas Mutter nutzt diese Möglichkeit. Sie pumpt Milch ab und übergibt sie Jeannette Sorg, die sie mikrobiologisch prüfen lässt. Wenn mit der Milch alles okay ist, wird die ärztlich vorgegebene Menge auf das Gramm genau in kleine Fläschchen abgefüllt. Kurz nach der Geburt konnte Alma gerade mal 0,5 Milliliter davon trinken – alle drei Stunden musste sie gefüttert werden. „Weißes Gold“ nennt Jeannette Sorg die Vormilch, die von den weiblichen Milchdrüsen erzeugt wird, bevor nach einigen Tagen die eigentliche Muttermilch gebildet wird. „Die Vormilch ist in den ersten Tagen nach der Geburt fast wichtiger als Medizin: Sie enthält Proteine, Enzyme, Vitamine und wichtige Antikörper zum Aufbau der Immunabwehr.“

Auf der Frühchenstation werden Kinder betreut, die mit nur 700 Gramm auf die Welt kommen und intensiv versorgt werden müssen. „Für Eltern ist das oft eine bedrückende Zeit: Ich versuche dann mit fachlicher Beratung und im persönlichen Gespräch Kraft und Halt zu geben. Ein bisschen bin ich die Milchtante, ein bisschen Seelentrösterin, manchmal Freundin und auf jeden Fall Teil eines ganz besonderen Teams“.

Die Suhlerin ist seit 30 Jahren am Zentralklinikum ihrer Heimatstadt beschäftigt. Ihr Arbeitgeber ist die SRH Dienstleistungen GmbH, die auch die Küche für Patienten und Mitarbeiter im Klinikum betreibt. Schon vor 19 Jahren hat sie sich für die Arbeit in der Milchküche entschieden und sich umfassend weitergebildet. Heute gehören sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen fest zum Team der Frühchenstation und bilden eine wichtige Schnittstelle. „Es ist ein ganz besonderer Bereich. Für mich der außergewöhnlichste im ganzen Klinikum“, erzählt Jeannette Sorg. Man brauche viel Einfühlungsvermögen, um für die Eltern da zu sein. Gerade, wenn ihre Kinder manchmal über Wochen und Monate intensivmedizinisch betreut werden.

Nach elf Wochen auf der Frühchenstation hat Alma mehr als ein Kilo zugelegt und darf mit ihrer glücklichen Mutter nach Hause. Auch in dieser Phase gibt das Team der Milchküche Wissen und Erfahrung an die Eltern weiter. Dabei werden drängende Fragen beantwortet wie: Worauf muss man zuhause beim Stillen oder Füttern achten? Wie bereitet man Muttermilch oder Fertignahrung richtig zu? „Die meisten Eltern sind nach ihrer Zeit auf der Frühchenstation echte Ernährungsexperten“, sagt Jeannette Sorg. „Zuhause fragen sich dann aber auch viele, wie man die üblichen Probleme wie Bauchweh und damit einhergehende Blähungen bei den Kindern vermeidet“, lacht sie und weiß natürlich auch in diesem Fall Rat. Keine Frage: Jeannette Sorg kann sich keinen schöneren und erfüllenderen Beruf vorstellen.

Die Mitarbeiter der SRH Dienstleistungen GmbH sind in den Bereichen Gastronomie, Technik, Gebäudemanagement, Medizintechnik, Sterilgutversorgung, Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin und Reinigung tätig.

srh-dienstleistungen.com


Mit 24 Fachdisziplinen und zehn spezialisierten Zentren ist das SRH Zentralklinikum Suhl das umfassendste Akutkrankenhaus Südthüringens und akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Jena.

zentralklinikum-suhl.de
Text: Christian Jacob / Fotos: Christian Rothe

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