Vom Kakao zur Bio-Kohle

Ein Projekt der SRH Hochschule Berlin schafft Perspektiven für die ländliche Bevölkerung in Ghana: Kakaoschalen werden in Brennstoff, Energie und Bio-Kohle verwandelt – und tragen zum Klimaschutz bei.

Die Geschichte beginnt vor rund 10.000 Jahren. Schon die Menschen der mittleren Steinzeit wussten, wie man unter Luftabschluss Holz verbrennt, um Teer, Pech oder Holzkohle zu gewinnen. Die „Pyrolyse“ ist ein uraltes thermo-chemisches Verfahren, das fast in Vergessenheit geraten war, aber nun auch beim Klimaschutz hilft. „Durch Pyrolyse entsteht nicht nur thermische Energie“, erklärt Thomas Pfeiffer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studiengang Engineering and International Business an der SRH Hochschule Berlin, „sondern auch vielseitig nutzbare und klimaschonende Bio-Kohle.“

Um diese Bio-Kohle herzustellen, braucht es Biomasse. Genau die gibt es im westafrikanischen Ghana reichlich. Unter anderem bei der Produktion von Schokolade fallen in großen Mengen Kakaoschalen an, die bislang als Abfallprodukt unbeachtet verrotteten. Dass die Schalen auch nachhaltig verwertet werden können, zeigte die SRH Hochschule Berlin direkt vor Ort. Lokale Bauern sind zu Workshops des Forschungsprojekts ENGHACO eingeladen worden, die für ein Umdenken sorgten. Die Abkürzung steht für „Energize Ghana with Cocoa Husk“, und die Idee ist so einfach wie genial: Kakaoschalen werden ohne Sauerstoffzufuhr erhitzt. Beim Pyrolysieren der Schalen entstehen brennbares Holzgas für die Stromerzeugung, Wärmeenergie und wertvolle Bio-Kohle. Durch ihre Gitterstruktur bietet sie Hohlräume für Mineralien, Feuchtigkeit und Mikroorganismen und verbessert als natürliches Düngemittel die Bodenqualität.

Zufriedene Landwirte und Klimaschutz

Was dieses Verfahren für die Bauern vor Ort bedeutet, beschreibt Richard Ampadu Gyasi, Generalsekretär der Builders of Today Association (BOTA): „Die Produktion von Bio-Kohle aus Kakaoschalen bringt den Landwirten ein zusätzliches Einkommen. Außerdem verbessert die Bio-Kohle den Boden der Kakaoplantagen, was gleichzeitig die Kosten für die Düngung verringert, die Bauern Jahr für Jahr aufbringen müssen.“

„Aber das Beste ist“, sagt Thomas Pfeiffer, „dass in einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung auch ein klimaschonender Nutzen nachgewiesen werden konnte. Bei der Holzvergasung wird Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufgenommen und bleibt dann für mindestens fünfhundert Jahre in Form von Bio-Kohle im Boden gebunden.“

Prof. Dr. Michael Hartmann, Vizepräsident Lehre an der SRH Hochschule Berlin, hat das Projekt vor zwei Jahren gestartet. „Mit ENGHACO können wir die Wertschöpfungsketten in Ghana ergänzen und die Kakaobauern sowie die ländliche Bevölkerung unabhängiger von fluktuierenden Kakaopreisen machen“, erklärt Hartmann. Inzwischen wird diese Entwicklungsarbeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert – und so konnten ghanaische Experten im Januar bereits an einem Hochschulsymposium mit Projektpartnern aus Forschung und Industrie in Berlin teilnehmen.

Die SRH Hochschule Berlin bietet deutsch- und englischsprachige Bachelor-, Master- und MBA-Programme mit Management- und Technologieschwerpunkt. Studenten aus 85 Nationen arbeiten gemeinsam an Projekten aus Wirtschaft und Industrie. 

srh-hochschule-berlin.de
Text: Ralf Laubscher / Foto: Thomas Pfeiffer

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