Wie finde ich Glück im Beruf?

Drei Fragen an den Philosophen Wilhelm Schmid

Mehr als die Hälfte der Menschen, die in ihrer Arbeit keinen Sinn sehen, leiden unter Erschöpfung. Und sie fehlen doppelt so häufig wie Mitarbeiter, die zufrieden mit ihrem Job sind. Was jeder dagegen tun kann und was Glück bei der Arbeit bedeutet, haben wir den Philosophen und Autor Wilhelm Schmid gefragt.

Herr Schmid, was ist bei der Suche nach dem Glück entscheidend?

Nach Glück fragen heute sehr viele Menschen. Fast muss man befürchten, dass diese vehemente Suche nach Glück unglücklich machen kann. Glück hat unterschiedliche Facetten. Man sollte die Rolle des Zufallsglücks nicht unterschätzen. Und man sollte nicht erwarten, dass man pausenlos glücklich sein kann.

Gibt es bestimmte Voraussetzungen für Glück im Beruf?

Wichtig erscheint mir, das Glück umfassender zu sehen, sodass auch ein gelegentliches Unglücklichsein darin Platz findet. Wenn ich mal keine Freude daran habe, zur Arbeit zu gehen, muss das nicht das gesamte Leben infrage stellen. Wenn ich aber dauerhaft keinen Sinn mehr in der Arbeit sehe, sollte ich der Sache nachgehen. Sinnlosigkeit raubt alle Kraft, das ist ernsthaft gefährlich, es droht ein Burn-out.

Lässt es sich lernen, im Beruf glücklich zu sein, indem man den Beruf neu wertschätzt?

Die Wertschätzung hängt davon ab, ob der Beruf als sinnvoll empfunden wird. Sinn resultiert nicht nur aus der direkten Tätigkeit, sondern auch aus dem Arbeitsumfeld, also einer guten Kollegialität. Sehr viel Sinn kommt aus einem guten Umgang mit sich selbst, einer „Selbstfreundschaft“. Wo Sinn ist, sind auch Auszeiten des Glücks gut zu überstehen, die es am Arbeitsplatz und privat nun einmal gibt.

Prof. Dr. Wilhelm Schmid studierte Philosophie und Geschichte und habilitierte sich mit seiner Arbeit „Grundlegung zu einer Philosophie der Lebenskunst“. Er ist Gastdozent an verschiedenen Universitäten und Autor zahlreicher Bücher zum Thema Glück und Lebenskunst. 
Interview: Christian Haas 

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