Wie Wandern wirkt

Studienleiter Professor Dr. Tobias Erhardt über das Gesundheitswandern

Wandern und Gesundheitswandern – worin liegt der Unterschied?

Beide Formen des Wanderns finden in der Natur statt. Klassische Wanderungen dauern meist länger – durchschnittlich rund 13 Kilometer. Das Gesundheitswandern wurde vom Deutschen Wanderverband ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um geführte Touren, die meist nur drei bis vier Kilometer Länge haben und 90 Minuten dauern. Neben dem Gehen gibt es zwischendurch Übungen, die Koordination, Beweglichkeit und Balance verbessern. Und es gibt etwas Theorie über richtiges Gehen, rückengerechte Bewegungen, Atmung und Ernährung.  

Welche Vorteile hat Wandern im Vergleich zu einem Indoor-Sport?

Wer sich draußen bewegt, ist an der frischen Luft und bekommt mehr Licht als in geschlossenen Räumen. Letzteres ist wichtig für die Vitamin D3-Produktion im Körper und die Dichte der Knochen. Das Naturerlebnis fördert außerdem die psychische Gesundheit.

Wie hängen Physiotherapie und Wandern zusammen?

Als Wissenschaftler haben wir an der SRH Hochschule für Gesundheit Effekte verschiedener Therapien auf den Bewegungsapparat untersucht. Schwerpunkte waren zum Beispiel Rücken, Schultern und Knie. Die Studie über das Gesundheitswandern knüpft daran an, ist aber ganzheitlicher: Es geht um grundsätzliche körperliche Voraussetzungen wie Kraft, Koordination und Beweglichkeit sowie um bio-psycho-soziale Effekte durch den Kontakt mit der Natur und mit anderen Menschen.

Die Teilnehmer der Studie haben einen Gesundheitscheck gemacht. Was beinhaltet dieser? 

Wir messen Blutdruck, Herzfrequenz, den Muskel- und Fettanteil des Körpers und die Koordinationsfähigkeit. Darüber hinaus erfragen wir in persönlichen Gesprächen das Bewegungsverhalten, Vorerkrankungen sowie Schmerzen, Entzündungen oder neurologische Probleme. Nach der letzten Gesundheitswanderung findet dann eine zweite Untersuchung statt und in einem zeitlichen Abstand von drei Monaten gibt es eine dritte Untersuchung, deren Ergebnisse in die Studie einfließen, die im Herbst 2019 abgeschlossen sein wird. Ein Jahr später planen wir eine telefonische Befragung. Wir möchten erfahren, ob und was sich im Bewegungsverhalten der Studienteilnehmer verändert hat. 

Sie sind selbst aktiver Wanderer. Wie sind Sie auf den Geschmack gekommen?

Ich bin in Hauenstein in der Südwestpfalz aufgewachsen und war schon als Kind viel im Pfälzerwald unterwegs. Bis heute wandere ich regelmäßig. Das intensivste Erlebnis in meiner Wander-Biografie ist ein vierwöchiges Himalaya-Trekking – das allerdings schon einige Jahre her ist …

Das Interview erschien in ungekürzter Form im Online-Magazin www.wanderfit.de der BKK Pfalz, Kooperationspartner der SRH Wanderstudie.

Prof. Dr. Tobias Erhardt ist leidenschaftlicher Wanderer und Läufer und ein Freund der Bewegung. An der SRH Hochschule für Gesundheit am Standort Karlsruhe ist er Studiengangsleiter des ausbildungsintegrierenden Studiengangs Physiotherapie

gesundheitshochschule.de
wanderfit.de
Interview: wanderfit.de / Foto: SRH Hochschule für Gesundheit

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